
Welche Indikatoren ermöglichen es, die digitale Reife einer Organisation oder eines Landes im Jahr 2025 zu messen? Zwischen erweiterten regulatorischen Anforderungen, Anforderungen an digitale Nachhaltigkeit und dem Wandel der gesuchten Kompetenzen werden die Herausforderungen der digitalen Welt und der Informatik nun durch konkrete, überprüfbare und manchmal verbindliche Kriterien sichtbar.
Digitale Nachhaltigkeit und Unterstützung für KMU: Was der OECD-Bericht 2024 ändert
Der Bericht „Digital 2025“ der OECD, veröffentlicht im November 2024, markiert einen Wendepunkt in der Art und Weise, wie die Staaten die digitale Transformation von Unternehmen unterstützen. Mehrere Mitgliedsländer, darunter Frankreich, Kanada und Südkorea, verknüpfen nun ihre Hilfen für KMU mit Kriterien der digitalen Nachhaltigkeit. Konkret bedeutet dies Anforderungen an die ökologische Gestaltung von Dienstleistungen, eine Begrenzung der Speicherung ungenutzter Daten und eine Rationalisierung der IT-Infrastrukturen.
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Diese Verknüpfung verändert die Rahmenbedingungen für die IT-Abteilungen. Ein Digitalisierungsprojekt, das vor zwei Jahren ohne Bedingungen finanziert worden wäre, muss heute bereits in der Planungsphase Umweltindikatoren integrieren. Die auf tic-et-net.org verfügbaren Ressourcen ermöglichen es, diese regulatorischen Entwicklungen zu verfolgen, die sowohl große Unternehmen als auch kleine Betriebe betreffen.
Die Auswirkungen sind doppelt: Unternehmen müssen ihre Nutzung von Cloud-Technologien und Speicherlösungen überdenken, während IT-Dienstleister ihre Angebote an diese neuen Anforderungen anpassen. Digitale Nachhaltigkeit ist kein Marketingargument mehr, sondern ein Kriterium für die Berechtigung zu öffentlichen Finanzierungen.
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Richtlinie NIS2 und IT-Sicherheit: Vergleich vor/nach für Unternehmen
Die Richtlinie NIS2, die seit Ende 2024 schrittweise in den EU-Mitgliedstaaten umgesetzt wird, definiert den Umfang der Organisationen neu, die strengen Verpflichtungen im Bereich der Cybersicherheit unterliegen. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Änderungen zusammen.
| Kriterium | Vor NIS2 | Nach NIS2 |
|---|---|---|
| Betroffene Unternehmen | Betreiber wesentlicher Dienste (Energie, Transport, Gesundheit) | ESN, Hosting-Anbieter, Cloud-Plattformen, Betreiber von mittelgroßen Rechenzentren |
| Risikomanagement | Branchenspezifische Empfehlungen | Verstärkte Verpflichtungen mit regelmäßiger Kontrolle |
| Incident Response | Freiwillige oder branchenspezifische Benachrichtigung | Verpflichtende Benachrichtigung innerhalb strenger Fristen |
| Geschäftskontinuität | Empfohlene Pläne | Verlangte und geprüfte Pläne |
Früher nicht kritische Strukturen werden nun als “wesentlich” oder “wichtig” eingestuft. Ein mittelgroßes ESN, das die Daten seiner Kunden hostet, fällt in den Geltungsbereich und unterliegt denselben Verpflichtungen wie ein Telekommunikationsanbieter.
Für die IT-Abteilungen bedeutet dies Investitionen in Schulungen, in Tools zur Erkennung von Vorfällen und in Pläne zur Geschäftskontinuität. Datensicherheit ist nicht mehr nur auf große Unternehmen im kritischen Sektor beschränkt.
Digitale Kompetenzen im Jahr 2025: Vom Technischen hin zu Daten und KI
Der Bericht 2024 der UIT über digitale Kompetenzen hebt einen signifikanten Wandel der Bedürfnisse hervor. Technische Kompetenzen (Systemadministration, klassische Webentwicklung) sind nach wie vor gefragt, aber die Beherrschung von Daten und künstlicher Intelligenz wird zum wichtigsten Einstellungskriterium in vielen Sektoren.
Dieser Wandel zeigt sich in drei beobachtbaren Trends auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt:
- Profile, die in der Lage sind, große Datensätze zu nutzen (Datenanalysten, Dateningenieure), werden weit über den Technologiesektor hinaus gesucht, insbesondere im Gesundheitswesen, in der Logistik und in den Kommunen.
- Die grundlegende digitale Kultur (Verständnis von Algorithmen, Grundkenntnisse der Cybersicherheit, kritisches Lesen von Informationen) wird von allen Mitarbeitern erwartet, nicht nur von den IT-Abteilungen.
- Kurzzeit-Zertifikatskurse gewinnen gegenüber langen Studiengängen an Bedeutung, getragen von der Notwendigkeit einer schnellen Umschulung in sich verändernden Sektoren.
Im Gegensatz dazu stellt die bloße Fähigkeit, ein Werkzeug zu nutzen, keine digitale Kompetenz mehr dar. Die digitale Bildung, wie sie in den europäischen öffentlichen Politiken definiert ist, zielt darauf ab, Bürger auszubilden, die in der Lage sind, die zugrunde liegenden Mechanismen zu verstehen: Funktionsweise von Empfehlungsalgorithmen, Herausforderungen der Erhebung personenbezogener Daten, Logik der Open-Source-Software im Hinblick auf die Konzentration der Akteure im Web.

Umweltauswirkungen der digitalen Welt: Eine eigenständige Herausforderung der IT
Die Umweltfrage ist in IT-Projekten nicht mehr peripher. Die Verknüpfung öffentlicher Hilfen mit digitaler Nachhaltigkeit, die oben erwähnt wurde, findet in einem Kontext statt, in dem der CO2-Fußabdruck digitaler Infrastrukturen zunehmend von den Regulierungsbehörden überwacht wird.
Unternehmen, die Cloud-Lösungen bereitstellen oder Rechenzentren betreiben, müssen diese Dimension bereits in der Planungsphase berücksichtigen. Dies erfordert die Auswahl von Anbietern, die sich für die Reduzierung ihres Energieverbrauchs einsetzen, die regelmäßige Löschung veralteter Daten und die Optimierung der Verarbeitungsströme.
Diese Konvergenz zwischen IT und Umweltverantwortung definiert die Rolle der IT-Teams neu. Sie sind nicht mehr nur für die technische Leistung verantwortlich, sondern auch für die Umweltkonformität der Systeme, die sie verwalten. Der Leitfaden der OECD und die Richtlinie NIS2 teilen diesen gemeinsamen Punkt: Die digitale Governance umfasst nun auch außertechnische Kriterien, sei es Sicherheit, Nachhaltigkeit oder Schulung der Teams.
Die Herausforderungen der digitalen Welt und der Informatik werden heute an drei sich gegenseitig verstärkenden Indikatoren gemessen: regulatorische Konformität (NIS2), Umweltbedingungen für Finanzierungen (OECD) und Anpassung der Kompetenzen (UIT). Diese drei Achsen strukturieren die Entscheidungen der IT-Abteilungen für die kommenden Jahre.